Josef Krieglstein Abstrakte Malerei
Josef KrieglsteinAbstrakte Malerei

 

Josef Krieglstein:

 

Jetzt male ich.

 

Schon in meiner Jugend war ich begeisterter Maler, nicht zuletzt durch hervorragende Lehrer, die mich damals zur modernen Malerei hinführten. Trotzdem wollte ich die Malerei nicht zu meinem Beruf machen. Ich studierte Pharmazie und Medizin und wurde Professor für Pharmakologie. Nach meiner Emeritierung und 4 ½ weiteren Jahren als Seniorprofessor beendete ich meine wissenschaftliche Tätigkeit radikal und begann wieder zu malen. Eine studierte Künstlerin begleitet und berät mich. Natürlich kann man nach insgesamt 50-jähriger Tätigkeit als Wissenschaftler nicht einfach umschalten auf ein neues Betätigungsfeld wie die Malerei. Hier sind ganz andere Qualitäten gefragt als in der naturwissenschaftlichen Forschung. Und es ist viel schwieriger, die Qualität eines Bildes zu definieren als ein klares Ergebnis eines naturwissenschaftlichen Experiments. Die Qualität der modernen Malerei lässt sich nicht über definierte Kriterien bewerten. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Mitglieder einer Gutachtergruppe oder auch einer Besuchergruppe ein gutes Bild mehrheitlich als solches erkennen und einstufen. Es hat eine Ausstrahlung, die den Betrachter sofort bindet, ohne dass man genau sagen könnte, was die Qualität des Bildes ausmacht. Diese undefinierbare Qualität wurde meines Erachtens sehr treffend mit „Qualitas occulta“ (G. Inboden, 2007) bezeichnet. Dem im logischen Denken trainierten Naturwissenschaftler fällt es schwer, das zu akzeptieren. Aber Kunst ist eben nicht Naturwissenschaft. Viele Naturwissenschaftler finden deshalb keinen Zugang zur modernen Malerei, während andere gerade in dem Gegensatz einer faktenorientierten und einer gefühlsbetonten Vorgehensweise die besondere Herausforderung sehen. Ich selbst zähle mich zu den letzteren.